Sicher und nachhaltig
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Über Leichtgewichte und Übergewichte
Die Frage nach einem leichten Fahrrad hängt natürlich vom Material und von der Ausstattung ab. Keine Mühen und Kosten haben mein Sohn Mik und ich gescheut und in geschlagenen 10 Stunden alle 300 Räder des Fahrradverleihs durchgewogen. Und dann waren wir überrascht, was (unsere) Räder tatsächlich wiegen...
Die etwa 300 Fahrräder des Fahrradverleihs "Rad auf Bestellung" dienten den folgenden Durchschnittswerten als Grundlage. Bei den Stahlrahmen verwende ich bereits leichte Baureihen. Es gibt natürlich noch leichtere und erheblich schwerere.
Carbon ist sicher das leichteste Material, eignet sich jedoch aus Haltbarkeitsgründen und wegen der hohen Wartungs- sowie Anschaffungskosten nicht für meinen Fahrradverleih.
Wenn es Dir nur um Gewichtsersparnis geht, kannst Du gewiss ein Carbonrad mit nur 5 kg zusammenstellen, indem Du alles, was irgendwie haltbar und alltagstauglich ist, einfach weg lässt. Jedem, der irgendwie etwas davon versteht, wird dann klar sein, das Du hunderte von Euro in diesem Wunderwerk versenkt hast.
Also Alu oder Stahl? Die große Überraschung: Aluminiumräder sind nicht in jedem Falle leichter sind als Stahlräder, weil die Gewichtsersparnis des leichteren Aluminiums oft durch die unverhältnismäßig schweren Federgabeln wieder ausgeglichen werden.
Die an jedem Rad befindlichen Schlösser (div. Abus* Spiralschlösser ~ 500 g) wurden mitgewogen, es geht hier schließlich nicht um Schönfärberei. Bedenke bitte beim Gewichtsvergleich mit anderen Rädern, das Sicherheit, Zuverlässigkeit und Haltbarkeit meine wichtigsten Prioritäten sind; erst danach kommen Gewichtsersparnisse in Betracht.
Aktuelle Citybikes aus Stahl mit Vollausstattung, d.h. Nabendynamos, 7-Gang Nabenschaltung, Schutzbleche, Stahlgepäckträger und Stahllenker wiegen zwischen 19 und 20 kg; das entspricht Fahrrädern aus den 50-er Jahren! City Bikes mit Aluminiumrahmen wiegen bei gleicher Ausstattung mit Federgabel mehr oder weniger das gleiche. Meine leichtesten City Bikes wiegen zwischen 17 und 19 kg und sind aus Edelstahl gefertigt.
Die Trekkingräder aus Stahl/Aluminium mit Vollausstattung wiegen zwischen 16 und 19 kg, wobei zu bemerken ist, das das leichteste Trekkingrad einen Stahlrahmen (ohne Federgabel) hat. Teile der Gewichtsersparnis sind auch auf die leichteren Kettenschaltungen zurückzuführen.
Die Mountain Bikes* (26'zoll) aus Aluminium ohne Federgabel liegen durchschnittlich bei 14 kg und die aus Aluminium mit Federgabel bei 15 kg. Mein kostspieligstes Mountain Bike (Carbon und Federgabel) wiegt 13,5 kg. Logischerweise gibt es leichtere, deren Einsatz in diesem Fahrradverleih aufgrund der hohen Anschaffungskosten und geringen Nachfrage für mich jedoch nicht in Frage kommen.
*ohne Gepäckträger, Lichtanlage und Schutzblechen
Aktuelle Kinderräder (24' zoll) mit Aluminiumrahmen und Nabendynamo sowie 3-Gang Nabenschaltung wiegen durchschnittlich niederschmetternde 14,5 kg, was für einen Zwerg wirklich kein Vergnügen sein dürfte...
Die Tandems (Stahl) fliegen mit 29 kg über Hamburgs Straßen, wobei wir bei "geteilter Freud' ist doppelte Freud' " bei charmanten 14,5 kg pro Person landen...
Das Pedersen* Rad des Verleihes wiegt ohne Schloss 15,9. Mehr dazu.
Die leichtesten Räder dieses Fahrradverleihes sind die klassischen Rennräder (Stahlrahmen, 80-er Jahre), die im Durchschnitt bei schmeichelhaften 11,5 kg liegen. (logischerweise ohne Gepäckträger, Lichtanlage und Schutzblechen )
Die Ausstattung der Räder - Für meine Kunden nur das Beste!Das sind für mich gut gewartete Räder; na klar, meine Babys, Schraube für Schraube liebevoll zusammengefügt, dabei so leicht wie möglich, doch bei den tragenden und sicherheitsrelevanten Komponenten wie Rahmen, Lenker und Gepäckträger vorzugsweise aus Stahl. Somit bist Du mit Stahl hinsichtlich der Sicherheit und Zuverlässigkeit bestens bedient! Lies dazu: nachhaltige Komponenten!
Stahl ist trotz seiner Härte ein elastisches Material und neutralisiert die beim Rad fahren auftretenden Kräfte, wobei ein geringfügiger Kräfteverlust hinsichtlich der Kraftübertragung auf die Straße entsteht. Bevor ein Stahlrahmen bricht, verbiegt er eher.
Alle tragenden Teile meiner Leihfahrräder sind
selbstverständlich aus elastischem Stahl und können nicht
brechen. Somit müssen die Räder auch nicht jedes Jahr komplett
ausgetauscht werden, sondern werden gefahren, bis die Lackierung
zu ramponiert ist, was nicht nur nachhaltig, sondern für alle
Beteiligten auch noch günstiger ist!
Aluminium ist sehr steif und überträgt die Kräfte besser als
Stahl auf die Straße. Leider ist Aluminium auch
bruchanfällig, wie Dir die Reparaturwerkstatt Deines Vertrauens
gewiss bestätigen wird.
Was für mich die Frage aufwirft, ob eine Gewichtsersparnis von bummeligen 500 bis 1000 g (gemessen bei meinen Rädern) in einem gesunden Verhältnis zu sicherheitsrelevanten Überlegungen hinsichtlich der Verwendung von Aluminium steht.
Übrigens sind Fahrradrahmen aus Aluminium nicht nur wegen der kürzeren Lebenserwartung sondern auch wegen der erheblich schlechteren Energieeffizienz nicht besonders nachhaltig.
Wem Aluminiumrahmen und Federgabeln also am Ende wirklich von Nutzen sind, mögest Du selbst entscheiden. Frage doch mal spaßeshalber, wie lange Dir der Fahrradhändler Deines Vertrauens eine Garantie auf die von ihm verkauften Aluminiumrahmen gibt!
In einer Gesellschaft, in der das Verhältnis zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch der Menschen immer weiter auseinandergrätscht, muss ich mich als Fahrradverleiher auch dieser Frage stellen. Vor allem, wenn bei der Fahrrad Bestellung von "stabil" oder "kräftig" die Rede ist.
Ich sehe das nüchtern-physikalisch: die Rahmen der Leihräder halten da "einiges" aus. Problematisch sind eher die Speichen, die bei Überanspruchung schlicht und ergreifend durchreissen.
Wiegst du bis 100kg, sollten alle meine Leihräder treu ihren Dienst verrichten, vorrausgesetzt, du fährst nicht schräg auf Kantsteine. Mit verstärkten Speichen kann die Fahrt dann für Radfahrer bis zu einem Kampfgewicht von 150 kg weitergehen. Bei mehr Gewicht muss ich wahrscheinlich passen.
Was natürlich nicht heißt, das jemand über 150kg zu schwer zum Rad fahren ist! No, No. Aber wir müssten dann darüber reden, ob es eine Lösung gibt, denn nicht alle Standardräder sind für solche Gewichte ausgelegt.
Aber: Gerade wenn du übergewichtig bist, finde ich es großartig, wenn du den Lenker in die Hand nimmst und dich selbst durch die Welt bewegst. Respekt!
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